Im August 1899 ersuchte der 55jährige Direktor der Herrensängergesellschaft "Hamburger Sänger" Wilhelm Wolff bei der Politischen Polizei Berlin um die Aufführungsgenehmigung seines kleinen Theaterstückes ?Wir sind die Sänger von Finsterwalde?. In den Germania-Prachtsälen Berlins führte die Wolffsche Gesellschaft die ganz dem Geschmack des Vergnügungsbetriebes der Jahrhundertwende entsprechenden Burleske auf. Hier traten nun die Sänger, drei auffällig gekleidete Herren mit den charakterisierenden Namen Pampel, Knarrig und Strippe, mit ihrem Entreeliedchen ?Wir sind die Sänger von Finsterwalde? erstmals an das Licht der Welt. Als erfahrener Theatermann nutzte Wolff den verblüffenden Erfolg des Stückes und besonders den des kleinen A-Capella-Liedchens unverzüglich aus und schrieb als Opus 266 den humoristischen Marsch ?Wir sind die Sänger von Finsterwalde?. Das Lied von den Sängern aus Finsterwalde wurde zum Ohrwurm. Allerorten war es zu vernehmen und von allen mitzusingen, ob als Militärmusik von Robert Bachhofer oder als Männerchorsatz von Otto Hefner. Natürlich singen die Finsterwalder noch heute ihr Lied gern, besonders in der Version des hier geborenen Otto August Rothe.
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Am Beginn der Sängermanie waren die Bürger des Niederlausitzer Städtchens gar nicht erfreut, mit den zumeist komischen oder gar weinseligen Figuren in Frack und Zylinder verglichen zu werden. Aber schließlich siegte der Humor, denn sonst liefen die echten Finsterwalder erst recht Gefahr, der Lächerlichkeit anheimzufallen.
Es bleibt nun die Frage, warum Wolff gerade die Finsterwalder Sänger so ausdrücklich benannte.
Es ist der Name des Städtchens gewesen, der für ihn attraktiv war und den er mit sicherem Instinkt für das Bühnengeschäft nutzte. Für das hauptstädtische Publikum musste Finsterwalde sehr schnell zum Synonym für die abgelegene Provinz mit ihren zwar sympathischen, aber eben recht hinterwäldlerischen und skurrilen Typen werden. Neben diesem Bedeutungseffekt ist das Wort Finsterwalde durch seine vier Silben rhythmisch nutzbar.
Eine ständige Ausstellung über die Geschichte der Sänger und des Liedes ist im Kreismuseum Finsterwalde zu sehen. Auf Wunsch können Führungen gebucht werden.
Natürlich wird auch heute in Finsterwalde gesungen. Höhepunkt ist das alle 2 Jahre stattfindende Sängerfest mit Gästen aus dem In- und Ausland.
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